DIAGNOSTIK-EMPFEHLUNG 8

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Empfehlungen zur Borreliose-Diagnostik bei Hund
und Pferd - insbesondere zur Wahl des
serologischen Screening-Verfahrens

Nach einer Zwischenauswertung der Borreliose-Studie, die wir in Zusammenarbeit mit Herrn Steffen Sum von der 1. Medizinischen Tierklinik der Universität München durchführen und den jetzt einjährigen Erfahrungen in der Anwendung des Immunoblot/Westernblot-Verfahrens, möchten wir Ihnen folgende Empfehlung hinsichtlich der Labordiagnostik der caninen und equinen Borreliose geben:

  • Serologische Eingangsuntersuchung (Screening)
    Nachweis von spezifischen Borrelia burgdorferi s.l.-IgM- und IgG-Antikörpern mittels Westernblot-Verfahren (WB) mit rekombinant produzierten Antigenen
    Probenmaterial: Serum oder Plasma (0.2 ml)
     
  • Bestätigungsuntersuchung durch Nukleinsäure-Nachweis
    Nachweis von Borrelia burgdorferi s.l.-DNA durch die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) mit einem von ALOMED validierten Verfahren am LightCycler
    Probenmaterial: Harn (stabilisiert), Hautstanze (nativ), Synovia (nativ)

Die Wahl eines weniger spezifischen serologischen Verfahrens als der Westernblot zur Eingangsuntersuchung (Screening-Test) ist diagnostisch wenig hilfreich.

Unabhängig von der Art der AK-Detektion (ob IFT, ELISA oder Immunchromatographie) sind diese mit Vollantigen arbeitenden Tests nicht in der Lage, unspezifische oder weniger spezifische AK vom Nachweis auszuschließen. Dadurch ist die diagnostische Spezifität dieser Verfahren zum Nachweis einer aktiven Borreliose beim Hund (frische, reaktivierte oder persistierende Infektion) nach unseren bisherigen Daten kleiner 50%.

Auffällige WesternBlot-Ergebnisse sind, da sie ja auch mit einem serologischen und damit indirekten Verfahren ermittelt wurden, kein Krankheitsbeweis. Dafür empfiehlt sich der Nukleinsäure-Nachweis mittels PCR. Die Wahl des Probenmaterials sollte dabei von der klinischen Symptomatik und dem Krankheitsstadium abhängig gemacht werden. Die Harnuntersuchung ist v.a. bei frischen Infektionen sinnvoll, die Untersuchung von Hautstanzen zeigte bei den bisher ausgewerteten (vorwiegend chronischen) Fällen die höchste Trefferquote.

 

Darstellung der Problematik und nähere Erläuterung der Diagnostikempfehlung:

  • Haustiere, insbesondere Hunde haben durch den massiven Zeckenbefall einen wesentlich häufigeren Kontakt als der Mensch zu den bei uns verbreiteten Borrelien-Spezies. Dadurch entstehen in manchen Regionen serologische Durchseuchungsraten (sog. Seropraevalenz) von über 50%, etwa vergleichbar der Situation bei Forstarbeitern in Borreliose-Endemiegebieten in Baden-Württemberg.
     
  • Mit serologischen Tests, d. h. Nachweisverfahren für erregerspezifische Antikörper (AK) wird das Ziel verfolgt, die nach einem Erregerkontakt durch das Immunsystem produzierten erregerspezifischen Antikörper zu erfassen. Dieser Nachweis gelingt unabhängig davon, ob das Tier daran klinisch erkrankt ist, oder die Infektion abgewehrt wurde, bzw. subklinisch verlaufen ist.
    Zusätzlich können auch noch vorhandene AK (vorwiegend der IgG-Klasse) einer früher durchgemachten Infektion, bzw. eines länger zurückliegenden Erregerkontaktes die Interpretation erschweren, genauso wie die durch eine Impfung erzeugten AK.
     
  • Ausschlaggebend für den sinnvollen diagnostischen Einsatz serologischer Testverfahren ist daher die genaue Kenntnis der immunologischen und diagnostischen Spezifität und Sensitivität des Verfahrens. Diese methodischen und diagnostischen Parameter sind nach unserer Kenntnis bis heute noch für keines der für den Hund kommerziell erhältlichen Testverfahren wissenschaftlich untersucht und belegbar. (Hersteller-Angaben über die hohe diagnostische Spezifität und Sensitivität von serologischen Labor- oder Praxis-Tests der Borreliose-Diagnostik können nur hausintern ermittelt sein, da es bisher weder Standard-Seren, noch wissenschaftlich ermittelte, anerkannte Diagnose-Kriterien der caninen Borreliose gibt).
     
  • Für die veterinärmedizinische Borreliose-Diagnostik konnten bisher, da es keine Alternative gab, ausschließlich AK-Nachweisverfahren eingesetzt werden, die mit Vollantigen arbeiten (Vollantigene sind z.B. auf Objektträgern fixierte, komplette Borrelien-Zellen, oder an Titerplatten gebundene Zell-Extrakte). Unsere eigenen Vergleichsuntersuchungen haben gezeigt, dass ein beträchtlicher und variabler Teil der mit diesen Vollantigenen erhaltenen AK-Titer auf Bindungen an Zelloberflächenantigene zurückgeführt werden können, die nicht nur bei Borrelien, sondern auch einer Vielzahl anderer gramnegativer, begeißelter Bakterien vorkommen (z.B das p41-Flagellin-Antigen).
     
  • Das von ALOMED in Zusammenarbeit mit der 1. Medizinischen Tierklinik der Universität München evaluierte und in der klinischen Validierung befindliche rekombinante Westernblot-Verfahren hat gegenüber den herkömmlichen serologischen Tests folgende entscheidenden Vorteile:
     
    1. Es erlaubt als einziges Verfahren die Erkennung der immunologischen Spezifität der vorhandenen B. burgdorferi-AK und damit die Unterscheidung hochspezifischer, von weniger spezifischen und unspezifischen Antikörpern (separat für IgM- wie für IgG-AK).
      —> Die bisherigen Verfahren sind eine Summenbestimmung aller mit dem jeweiligen Vollantigen reagierenden AK, so dass es vorkommen kann, dass ein damit gefundener auch hoher Titer von z.B. 1: 1600 überwiegend durch unspezifische z.B. Flagellin-AK verursacht und damit diagnostisch irrelevant sein kann. Eine Erkennung und Ausschluss solcher unspezifischer AK ist bei diesem Testprinzip nicht möglich.
    2. Durch den Einsatz rekombinant - in E. coli - produzierter Borrelien-Antigene kann die Präsentation der Antigene optimiert und dadurch vermieden werden, dass wichtige, hochspezifische Antigene, wie z.B. das äußere Membranprotein OspC unterrepräsentiert sind.
      —> Dies ist beim Einsatz von Vollantigenen/Zellysaten nicht möglich, da man hier davon abhängig ist, was die als Antigen eingesetzten Borrelien-Stämme gebildet haben. In diesen variablen Zusammensetzungen der Vollantigen-Präparationen verschiedener Hersteller liegt wohl eine Hauptursache für die häufig beobachteten, z. T. beträchtlichen Unterschiede in den Titerresultaten unterschiedlicher Labors.
  • Die an einem Kollektiv von 800 Hundeseren im Laufe eines knappen Kalenderjahres mit dem Westernblot ermittelte Seroprävalenz (IgG) gegen Borrelien liegt bei 35%, die an 120 Pferdeseren ermittelte Seroprävalenz bei 47%.
ALOMED 5/2001