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Thyroxin (cT4)

Indikation

  • Screening-Test bei Verdacht auf canine Hypothyreose
  • Therapie-Überwachung bei T4-Substitution

Erniedrigt bei:

  • Primärer Hypothyreose
    (durch Zerstörung, Atrophie, oder Verlust von Schilddrüsen-Gewebe)
  • Sekundärer Hypothyreose
    (durch verminderte hypophysäre TSH-Sekretion, häufig bei Hyperadreno-kortizismus, bzw. unter Glukokortikoid-Therapie)
  • Nicht-Schilddrüsenerkrankungen (non thyroidal illness/NTI, oder euthyroid sick syndrom/ESS)

Erhöht bei:

  • Hyperthyreose (beim Hund selten)

Referenzbereich Hund:

  • 12-36 nmol/l (bei Welpen unter 10 Monaten: 20-45 nmol/l !)

Präanalytik

Serum ist das geeignete Probenmaterial (Menge: 0,5 ml).
Serum nach Gewinnung kühl lagern. Postversand ist jedoch ungekühlt möglich

Validierungsstand (Hund)

Das canine T4 (cT4), ein von der Firma DPC (Los Angeles, USA) speziell für die Anwendung beim Hund entwickeltes Testverfahren wird im Rahmen der im September 2001 von ALOMED begonnen multizentrischen, labormedizinischen und klinischen Studie „Hypothyreose beim Hund“ validiert. Als Goldstandard zur Diagnostik der caninen Hypothyreose wird in der Studie der TSH-Stimulations-Test eingesetzt.

Die untere Meßgrenze des cT4-Testverfahrens liegt bei 2 nmol/l, sodaß es für die Erfassung von hypothyreoten Konzentrationen gut geeignet ist.

Eine Referenzwertermittlung an einem Kollektiv gesunder Hunde (N=41) ergab obigen Referenzbereich. Die diagnostische Spezifität dieses Einzelparameters ist jedoch nicht befriedigend:
Nach den bisherigen Daten (Stand Juni 2005) findet man mit cT4 zwar 29 von 31 primären Hypothyreosen (diagnostische Sensitivität: 94 %), gleichzeitig ist aber cT4 auch bei 16 der 31 nicht primären Schilddrüsen-Erkrankungen erniedrigt. Diese diagnostische Spezifität von nur 75 % bedeutet, daß bei ca. 1 von 4 erniedrigten cT4-Werten keine primäre Hypothyreose vorliegt!

Das cT4 ist damit zum Screening auf Hypothyreose geeignet, ein erniedrigter Wert berechtigt zwar zu einem Hypothyreose-Verdacht, aber nicht zur Diagnose „Primäre Hypothyreose“.
Dafür ist die zusätzliche Bestimmung eines Parameters mit höherer diagnostischer Spezifität erforderlich. Wir empfehlen die Bestimmung des cTSH.

Beurteilung und Interventionsgrenzen

  • Werte im Referenzbereich (ab 12 nmol/l) schließen eine Hypothyreose mit einer 95 %-igen Wahrscheinlichkeit aus. Sofern jedoch klare klinische Hinweise auf eine Hypothyreose bestehen, muss zur weiteren Abklärung das cTSH bestimmt und/oder ein TSH-Stimulationstest durchgeführt werden.
     
  • Werte unter 12 nmol/l sind verdächtig, Werte unter 6 nmol/l stark verdächtig für das Vorliegen einer Hypothyreose und es sollte ergänzend das cTSH bestimmt werden, wobei folgende 3 Wertekonstellationen möglich sind:
    • Bei cT4-Werten kleiner 12 und cTSH-Werten größer 0,62 µg/l kann von einer primären Hypothyreose ausgegangen werden, sofern ein Therapieeinfluss (z.B. Cotrim) ausgeschlossen worden ist (Bestätigung ggfls durch TSH-Stimulations-Test).
      (Eine T4-Substitutionstherapie mit einer Dosierung von 20 µg/kg KGW, 2 x täglich, ist anzuraten).
    • Bei cT4-Werten kleiner 12 und cTSH-Werten im Referenzbereich liegt eine nicht schilddrüsenbedingte T4-Erniedrigung vor.
    • Bei cT4-Werten kleiner 12 und grenzwertig niedrigen, oder erniedrigten cTSH-Werten ist eine sekundäre Hypothyreose wahrscheinlich (TSH-Mangel infolge verminderter hypophysärer TSH-Ausschüttung.
       
  • Werte über 36 nmol/l sprechen für eine Hyperthyreose (sofern Patient über 12 Monate alt)
     
  • Unter T4-Substitutionstherapie sollte die T4-Konzentration (bei Blutentnahme 6 Stunden 'post-pill’) im Bereich 35-50 nmol/l liegen (also im 'hochnormalen’ bis hyperthyreoten Bereich). Bei Werten unter 30 nmol/l empfiehlt sich eine Erhöhung der Dosierung.

 

Analytik beim Tier und deren Problematik

Die T4-Serumkonzentration von Hund, Katze und Pferd liegt bei 1/5 der Serumkonzentration des Menschen. Damit ist ein Teil der analytischen Problematik angesprochen. Testverfahren, die für die T4-Bestimmung beim Mensch entwickelt und validiert wurden, haben ein Empfindlichkeitsproblem: Ihre untere Messgrenze liegt bei ca. 15 nmol/l, also noch im Normalbereich des Hundes. Zur Erfassung von Hypothyreosen sind sie damit ungeeignet.
Ein zweites analytisches Problem kommt noch hinzu. Die Art und Eigenschaften der Bindungsproteine, an die bei Hund, Katze und Pferd über 99 % des T4 im Serum gebunden ist, unterscheiden sich von denen beim Mensch. Zur quantitativen T4-Bestimmung mittels Immunoassay muss das T4 jedoch von diesen Proteinen abgelöst werden. Ob die Human-Reagenzien hierfür beim Tier dieselbe Effektivität besitzen, ist bisher nicht dokumentiert, sodaß die analytische Richtigkeit der so ermittelten Ergebnisse fraglich ist. Dies gilt um so mehr, wenn mit humanen Standards gearbeitet wird. Da zudem von tiermedizinischen Laboratorien vielfach keine eigenen Referenzwerte ermittelt, sondern aus der Literatur übernommen werden, ist die diagnostische Relevanz der mit „Human-Kits“ ermittelten T4-Werte bei Hund, Katze und Pferd fraglich.