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Präanalytik-Update

Die Präanalytik ist das erste Glied in einer Kette von Einzelschritten bis hin zum Laborbefund. Es ist der Zeitraum von der Patientenvorbereitung über Probenentnahme, Probenbearbeitung, Probenlagerung und Probentransport bis zur Analyse im Labor. Mit Ausnahme des Probentransportes durch unseren Kurier und der Probenlagerung im Labor entziehen sich die ersten und wichtigsten Teilschritte der Präanalytik unserer Kenntnis und Einflussnahme. Damit können Fehler in dieser Phase in der Regel von uns nicht erkannt und noch seltener wettgemacht werden.

Im präanalytischen Bereich unterscheidet man zwischen 'Einflußgrößen' und 'Störfaktoren'.
Zu den Einflußgrößen gehören individuelle Merkmale des Patienten wie Geschlecht, Rasse, Alter, Körpergewicht/Muskelmasse, Fütterungszustand, aktuelle Futteraufnahme, aktuelle Medikation, Trächtigkeit, psychischer und körperlicher Stress. Es handelt sich sowohl um nicht beeinflussbare genetische wie auch um öko- und pathobiologische Faktoren, die in unterschiedlicher Weise auf die zu untersuchenden Parameter eines Tieres wirken können.

Unsere Kenntnis über die jeweils relevanten Einflußgrößen durch Ihre Angabe auf dem Untersuchungsformular ist deshalb für die Beurteilung und Interpretation der Laborresultate sehr wichtig.

Störfaktoren verändern nach Entnahme des Untersuchungsmaterials die Konzentration der zu messenden Parameter und/oder interferieren mit der analytischen Methode. Sie erzeugen damit ein verfälschtes Messergebnis, das nicht der in-vivo Konzentration des Analyten entspricht. Sie sind grundsätzlich vermeidbar.

Im Folgenden erhalten Sie einige kurze Hinweise zur Vermeidung von Störfaktoren, zur Angabe von Einflußgrößen, zum Probenversand und zur Analysenauswahl. Es handelt sich dabei um Punkte, die uns in letzter Zeit als besonders wichtig oder störend aufgefallen sind.

  1. Bei Blutabnahme mit Antikoagulans das Röhrchen nach Verschließen unbedingt sofort mehrfach „über Kopf“ mischen. Nur dadurch ist gewährleistet, dass das vorgelegte Antikoagulans (EDTA, Heparin, Fluorid oder Citrat) überhaupt mit dem Blut vermischt wird und seine Wirkung (Bindung von Calcium) entfalten kann.
     
  2. Geeignete Versandgefäße für Serum verwenden: Die Blutentnahme-Röhrchen zur Serumgewinnung (Aufschrift 'Serum') enthalten einen Gerinnungsförderer und sind deshalb nicht als Serumversandgefäß geeignet, ebenso wenig wie unsere Schutzgefäße (mit ALOMED-Logo). Zum Serumversand sollten Sie die bei uns erhältlichen neutralen PP-Röhrchen mit dem blauen Druckstopfen verwenden (Abbildung und Beschreibung im ALOMECUM unter Präanalytik).
     
  3. Die Angaben von Tierart, Rasse, Alter, Geschlecht, Medikation sind Einflußgrößen, die über die Beurteilung der Resultate entscheiden:
    Ein Kreatinin-Wert von 112 µmol/l ist bei einem 5 kg schweren JRT nicht mehr unauffällig, ein (bei anderen Rassen erniedrigter) T4-Wert von 6 nmol/l ist bei einem Afghanen 'normal'. Ein Cortisol-Wert von 290 nmol/l nach ACTH-Stimulation ist für einen Cushing-verdächtigen Hund 'normal', jedoch nicht für einen seit 2 Wochen unter Trilostane-Therapie stehenden Patienten.
     
  4. Adressierung und Verschluss der Versandhüllen: Immer unsere Postfach-Adresse verwenden (wie auf unseren Versandhüllen aufgedruckt), da hier die Proben um ca. 8 Uhr eintreffen, während uns die Post an die Hausadresse erst gegen ca. 12 Uhr erreicht. Zum Verschließen bitte nur Verschlussklammern verwenden, bitte nicht zutackern (Verletzungsgefahr beim Öffnen!).
     
  5. Probenversand für Spezialparameter: Mit unseren Stabilisator-Röhrchen für PTH/PTHrP und ACTH/Insulin und den Transport-Röhrchen für ionisiertes Calcium ist ein normaler Postversand möglich. Sie müssen weder gefroren, noch gekühlt verschickt werden, sollten aber spätestens 48 Stunden nach Befüllung bei uns eintreffen
     
  6. Die als Bestätigungsteste auf unserem Formular angegebenen Nachweise für FIV- und Toxoplasma-Antikörper sind für den Fall gedacht, dass vorausgegangene Tests in unserem Labor ein fragliches Ergebnis erbrachten. Zur Überprüfung von fraglichen Praxis-Schnellltests ist in der Regel eine Kontrolluntersuchung mit unseren normalen Routineverfahren ausreichend.

'Versandgeschichten'
Mit unbekannten Tatorten, aber eindeutigen Indizien vom „Auspacktisch ALOMED“

Fall 1

Morgens um 7.30 Uhr im Postamt beim Öffnen unserer Postfachtüre erste Geruchshinweise auf den vermeintlichen Inhalt. Beim Auspacken im Labor dann die Bescherung: Hunde-Kot kommt uns schon aus der halb geöffneten Tüte entgegen! Am vollen Kotröhrchen hatte sich der Druckstopfen gelockert, so dass der breiige Kot herausquoll und sich in der Tüte und auf dem beiliegenden Antragsformular ausgebreitet hatte!
Nach dem Umfüllen des Kotes in ein Röhrchen mit Schraubdeckel, Ausfüllen eines neuen Formulars und sofortiger Beseitigung der Überreste konnte die nächste Tüte in Angriff genommen werden.
Urteil: Ausschließliche Verwendung von Schraubdeckel-Röhrchen mit anhängendem Löffel für Kot-Einsendungen (wie von uns dringend empfohlen, bei uns gratis erhältlich und im ALOMECUM abgebildet). Übrigens sind auch Plastiktüten, Yoghurtbecher und Marmeladegläser nicht geeignet!

Fall 2

Beim Öffnen einer Tüte stoßen wir auf einen hühnereigroßen Wattebausch, der mit einem Gewebeband mehrfach umwickelt ist. Nachdem wir uns mit einer Schere in dieses Teil vorgearbeitet haben, finden wir als Inhalt ein Eppendorf-Reaktionsgefäß, dessen Deckel wiederum mit circa einer halben Rolle Tesafilm umwickelt ist. Nach insgesamt etwa 5 Minuten Entpackungsarbeit haben wir die Serumprobe freigelegt und kommen zum zweiten Wattebausch in dieser Tüte, vermutlich dem EDTA-Blut!
Urteil: Verwendung der von uns empfohlenen, aufeinander abgestimmten Entnahme-, Transport- und Schutzgefäße für Serum und EDTA-Blut (bei uns gratis erhältlich, siehe ALOMECUM). Dies verkürzt die Einpack- und Auspackzeit auf Werte im Sekundenbereich, verhindert Transportschäden, vermeidet meist unnötig dicke Briefe (über 2 cm) und spart damit auch Portokosten.