September 2010

Rundschreiben Nr. 39

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Die Bestimmung des
C-reaktiven Proteins (CRP) beim Hund

Akute Phase-Reaktion
Das CRP ist aus der Humanmedizin als sogenanntes Akute-Phase-Protein bekannt. Es wird dort seit 30 Jahren als Screening- und Verlaufsparameter der Entzündungsaktivität und Gewebsverletzung bei Infektionen, Neoplasien, Autoimmunerkrankungen, Nekrosen und bei primär entzündlichen Erkrankungen wie Appendizitis, Pankreatitis, Glomerulonephritis, Arthritis etc. eingesetzt.
Mit "Akute-Phase-Reaktion" bezeichnet man die Reaktion des Organismus auf Entzündungen und Gewebsverletzungen, auf Grund dessen, oder in dessen Folge es zu Konzentrationsveränderungen einer Reihe von Plasmaproteinen kommt, den sogenannten Akute-Phase-Proteinen (APP). Ihnen werden unterschiedliche Funktionen im Rahmen des Entzündungsgeschehens, der Wundheilung und des Gewebeschutzes zugeschrieben. Aufgrund ihrer kurzen Reaktionszeit (Halbwertszeit: 24 - 48 h) und ihrem starken Konzentrationsanstieg (bzw. -Abfall) nach dem entzündlichen Stimulus können die APP als sehr empfindliche diagnostische Marker der systemischen Entzündungsreaktion bei Vögeln und Säugetieren eingesetzt werden.

CRP beim Mensch
Besonders bewährt hat sich in der Humanmedizin das CRP mit seiner Reaktionszeit von wenigen Stunden, einem bis zu 1000-fachen Konzentrationsanstieg (von unter 1 mg/l auf bis zu 1000 mg/l) und einem fast so schnellen Abfall der Konzentration nach Wegfall des entzündlichen Stimulus. Es ist damit dem traditionellen Laborverfahren der "Blutsenkungsgeschwindigkeit" (BSG) deutlich überlegen (bei dem Konzentrationserhöhungen von Plasmaproteinen mit wesentlich langsamerer Reaktionszeit wie Fibrinogen und Immunglobuline die beschleunigte Sedimentation der Erythrozyten verursachen).

CRP beim Hund



Auch beim Hund wird das CRP als das Akute Phase-Protein mit der stärksten Syntheserate und dem höchsten Anstieg der Serumkonzentration beschrieben.
Erhöht ist es nach der vorliegenden Literatur bei primär entzündlichen Erkrankungen, bei Infektionen, bei neoplastischen Erkrankungen und bei Autoimmun-Erkrankungen (AIHA).
Neben der BSG zeigt beim Hund auch die Leukozytenzahl eine bedeutend langsamere und weniger ausgeprägte Reaktion auf entzündliche Reize als das CRP. Vielfach ist trotz einer massiven akute Phase-Reaktion keine erhöhte Leukozytenzahl fest zu stellen.

Unser CRP-Nachweisverfahren
Bei der CRP-Bestimmung stützen wir uns auf die an der Universität Gießen 2009 (Arbeitsgruppe Prof. Moritz) durchgeführte Validierung des Testes. Zusätzlich haben wir das Verfahren mit einem CRP-Reinpräparat vom Hund weiter validiert und zusätzlich standardisiert, so dass sich die Konzentrationsangabe (mg CRP/l Serum) definitiv auf Hunde-CRP bezieht.

Unsere bisherigen Ergebnisse

Von 418 im Rahmen von Routineanforderungen des Profils "Altersvorsorge" durchgeführten CRP-Bestimmungen (einer damit zufälligen Stichprobe) erhielten wir bei 88 Hunden (21 %) positive Resultate die sich - wie in der Tabelle dargestellt - verteilen.

 

 

 

 


Nach bisheriger Auswertung fanden wir bei folgenden Erkrankungen erhöhte CRP-Werte:

  • Anaplasmose*, Ehrlichiose, Leptospirose, Leishmaniose
  • Blastenleukämie, Hämangiosarkom*, Lymphosarkom, Milztumor*
  • Arthritis*, Pankreatitis, Pyometra
    Kreuzbandriss, Milztorsion*
  • Autoimmunhämolytische Anämie* (AIHA)

Die höchsten Werte (> 100 mg/l) fanden sich bei den mit * gekennzeichneten Diagnosen.
Bei den Infektionen, den primär entzündlichen Erkrankungen und der AIHA gibt es deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zur Krankheitsaktivität, den wir anhand weiterer Fälle und bei Verlaufskontrollen weiter untersuchen werden.

Der Zusammenhang zwischen CRP und Leukozytenzahl (bei insgesamt 113 CRP-positiven Fällen) ist im Scattergramm (s. oben) dargestellt. Es ist keine Korrelation erkennbar (Spearman-Rang-Korrelationskoeffizient: 0,26) und es wird deutlich, dass bei einer beträchtlichen Zahl der Fälle mit erhöhtem CRP "normale" Leukozyten-Werte - im blau markierten Referenzbereich - gefunden werden. Dies zeigt die Relevanz und Indikation der CRP-Bestimmung für die Diagnose und ggfls. Verlaufskontrolle der zugrunde liegenden Erkrankungen.

Für die CRP-Bestimmung beim Hund ergeben sich damit folgende Einsatzmöglichkeiten:

  • Empfindlicher Nachweis einer primär entzündlichen Aktivität
    z.B.: Arthrose oder Arthritis? Pankreatitis? Panniculitis?
  • Aktivitätsstatus akut und chronisch entzündlicher Erkrankungen
    z.B.: Aktivität einer IBD (Inflammatory bowel disease), Aktivität einer Arthritis
  • Entzündungsaktivität und Gewebsschädigung bei Infektionen
    z.B.: Schweregrad einer Pyometra, Status einer Babesiose, Ehrlichiose, Leishmaniose
  • Abklärung eines malignen Prozesses
    z.B.: Bei Lymphosarkom- oder Leukämie-verdächtigem Blutstatus
  • Abklärung und Aktivitätsstatus einer Autoimmunhämolytischen Anämie (AIHA)

 

Mit der CRP-Bestimmung können wir Ihnen damit einen wertvollen neuen Laborparameter anbieten, der inzwischen auch Bestandteil unseres Profils "Altersvorsorge Hund"’ ist.